I’m not only a Dreamer [Story Snippet]

October 5th, 2008

Warum ich die Stille mag, die Abgeschiedenheit und die Leere vollkommener Ruhe und wie sehr ich Einsamkeit verabscheue, wuerde ich gerne anhand des folgenden Schnipsels illustrieren:

“Du sitzt hier und starrst Loecher In die Luft”, sagte Anna zu mir. Wir sassen in einem kleinen und gut besuchten Cafe auf meiner Strasse und hatten jeder eine Tasse Kaffee vor uns stehen - ihre war deutlich leerer als meine. Sie hatte vollkommen recht. “Bitte?”, sagte ich, “Ach so, ja. Du hast vollkommen Recht, ich traeum hier so rum.”. “Das merk ich”, sagte Anna. Ich hoerte den leicht vorwurfsvollen Ton. Irgendeine Nuance in ihrer Stimme entfaltete diese 3 Worte zu einem deutlich aussagekraeftigeren “Das merk ich, was traeumst du hier rum wenn ich direkt vor dir sitze?!”. “Sorry”, sagte ich, wie so oft, “Ich bin nicht ganz da im Moment.”. “Auch das merk ich”, sagte Anna ebenso vielsagend. Nur das wissende Schmunzeln auf ihren Lippen hielt mich davon ab zu glauben sie sei stocksauer. “Trink wenigstens deinen Kaffee bevor er kalt wird…”, schob sie nach. “Was ist denn los bei dir? Wir sitzen hier jetzt nicht zum ersten Mal und du guckst Loecher in die Luft… jedes mal, die ganze Zeit”. Anna lachte ein bisschen waehrend sie sprach, vermutlich um den vorwurfsvollen Ton zu relativieren. “Ich bin halt so… ich fliehe gerne von Orten, wo viele Menschen sind… wenn nicht zu Fuss, dann wenigstens im Kopf.”, sagte ich. “Du bist komisch.”,  sagte Anna nach einer kurzen Pause und lachte wieder, “Du geht mit mir nen Kaffee trinken, trinkst deinen Kaffee nichtmal und fliehst in Gedanken vor mir?”. “Neineinein!… nicht vor dir. Du fliehst quasi mit.”, versuchte ich zu erklaeren. “Du bist ja nicht der Grund, warum ich fliehe, sonst haett ich dich kaum eingeladen nen Kaffee zu trinken. Ich bin eigentlich nicht der Typ fuer volle Plaetze, das weisst du doch.”. “Warum gehst du dann mit mir hier hin?”, sagte Anna. Das Gespraech wanderte eindruckvoll schnell von einem Zusammensitzen von zwei Freunden zu einer Grundsatzdiskussion. Zum Glueck laechelte sie noch und es klang eher nach einem neugierigen Fragen als nach einem Haufen Vorwuerfe. “Ich kann keinen Kaffee kochen, sonst saessen wir bei mir Zuhause. Ich will dich ja nicht umbringen.”, wir lachten beide - leise - und schwiegen einige Momente, bis Anna die Stille brach: “Sag mal, wenn du jetzt Geburtstag hast naechsten Monat…”, ich blickte auf, “.. und wir wuerden eine Party fuer dich machen, so richtig mit allem drum und dran, ein paar Leute einladen und uns den ganzen Abend totfreuen…”.  Sie sprach den Satz gar nicht erst zuende, als sie merkte, wie sich mein Mund in eine etwas unzufriedene Form zog, der zum Ausdruck kompletter Verzweiflung nur noch ein “Hach ja” gefehlt haette.

Anna sah gar nicht mehr gluecklich aus: “Musst du immer alles kaputt machen?”, sagte sie. “Mensch, jetzt versteh mich doch nicht schon wieder so falsch..”, sagte ich. “Ich kann nicht so gut mit vielen Menschen, ich bin nicht der Typ dafuer.”. Anna machte ein vollkommen eindeutiges Gesicht. Es war klar dass es ihre Idee gewesen war, eine Überraschungsparty zu veranstalten und dass sie schon deutlich mehr als die Idee im Kopf hatte. “Was bist du denn fuer ein Typ? Ich versuch dir ne Freude zu machen - seit Jahren - und schaff es nicht. Du bist so verdammt verschlossen ueber dich!”. Anna war laut geworden und ein Mann am Nebentisch schaute vorwurfsvoll. Ich versteckte mein Gesicht hinter der Kaffeetasse, die Ellebogen auf den Tisch gestemmt und schaute verlegen in die Ecke des Raumes.  “Ich weiss es nicht, nicht der Typ fuer Parties eben. Ich bin eher so der Typ fuer nen ruhigen Abend am See mit ein paar Freunden und einer Kanne Tee”.  waehrend ich den Satz aussprach nahm Annas Gesicht neben dem vorwurfsvollem Blick auch Zuege eines Schmunzelns an. “An deinem Geburtstag im WINTER?”, fragte sie etwas unglaeubig. “Ja.”, sagte ich, etwas ueberrascht, “In Ruhe eben. Es ist schliesslich mein Geburtsag und den moechte ich so feiern.”.  “Das nennst du feiern?”, fragte Anna, “Ich meine, anstatt mit den Leuten Spass zu haben verbringst du nen Abend an nem eiskalten See?”. “Ja, das nenne ich feiern. Ich freu mich halt drueber dass alle da sind.”. “Du bist komisch.”, sagte Anna mit dieser Stimme, als kaeme ich aus einer anderen Dimension.  “Und was machst du dann an dem See mit uns?”, bohrte sie nach. Jegliche Zeichen von Vorwurf waren aus ihrem Gesicht versschwunden und sie sah jetzt eher neugierig aus, “Ich meine, was kann man an einem See im Winter gross machen?”.  “Man kann da liegen und traeumen bei Tee… zusammen mit den Leuten die einem wichtig sind. Weiss nicht.. in den Himmel starren und ueber dinge Reden ueber die man sonst nicht redet, sich verstehen und das bisschen Waerme geniessen was man geegenseitig noch fuereinander ueber hat - und den Tee.” Ich driftete in Gedanken an den See ab und muss undglaublich bescheuert geklungen haben. “Das ist nicht dein ernst.”, sagte Anna, “Das ist einfach nicht dein Ernst. Alles was du brauchst um dich SO klingen zu lassen ist eine Kanne Tee?” .  “Ja, und wenn du auch mitkommst vielleicht ein Haufen Decken.” schob ich nach.  Anna lachte wieder. Ich trank noch einen grossen Schluck Kaffee aus der Tasse.  Der Kaffee war kalt und bitter und ich verzog das Gesicht. Anna lachte nochmal und laechelte. “Du bist schon ein sonderbarer Mensch an deinem See…”, und ich war tatsaechlich in Gedanken schon da und erzaehlte mit meinen Freunden ueber das vergangene Jahr. “… und ein ganz schoener Traeumer.”.

Ich hoerte sie schon fast nicht mehr, waehrend sie die Kellnerin heranwinkte. “Zwei zwanzig für jeden”, sagte sie als sie an den Tisch trat. “Also dann keine Party…”, sagte Anna noch waehrend ich bezahlte… und sie war nicht mehr sauer.  “Nein, keine Party, aber … es waere nett wenn du den Tee kochst… du weisst schon. Das ist aehnlich wie mit dem Kaffee.”.

P.S.: Danke dir….

Wo ist Tux?!

September 10th, 2008

Zur Abschreckung Unbefugter ist nun neben starker Kryptographie in meinem Notebook beim Boot auch noch meine Fratze zu ertragen:

Wo ist Tux?!

Adress-Konflikte

September 9th, 2008

Hi,

als ich heute im Buero den Reservebestand an optischen Laufwerken aufraeumte, kam mir eine witzige Idee fuer T-Shirts…


Bilder fuer Einzelansicht anklicken

Kommentare erwuenscht :)

Gruss vom Sternensucher

Happy Sysadmin Day - Happy Jobcenter Day

July 25th, 2008

Hallo liebe Freundinnen und Freunde,

heute ist, wie von verschiedenen News-Netzen und der offiziellen Seite des Feiertages berichtet wird, der 9. “System Administrator Appreciation Day” - oder eben kurz: Sysadminday. An diesem Feiertag, welcher am letzten Freitag im Juli seit dem Jahr 2000 auf dem Programm steht, legt der Sysadmin seine Kabelpeitsche nieder und laesst sich - der Arbeit muede - von seinen Usern zur Abwechselung mal nicht nerven sondern - zumindest moechten die Initiatoren dieses Tages das so - mit einigen kleinen oder grossen Dankesgeschenken begluecken.

In der Firma in der ich arbeite spuert man davon nichts, im Gegenteil. Zwar legen wir die Kabelpeitsche erst gar nicht an und kommen mit unseren Usern ganz gut klar, dennoch schlaegt der Tag heute eine Bresche in die Firma. Unsere kleine IT-Abteilung (Ausbilder und Azubi) bemuehte sich im Vergangenen halben Jahr (so lange arbeiten wir jetzt zusammen) erfolgreich darum, gute Arbeit zu leisten und ein zuverlaessiger Ansprechpartner zu sein - sowohl fuer die Kunden, als auch fuer die Mitarbeiter, fuer deren Arbeitsfaehigkeit wir sorgten (auch ausserhalb unserer Arbeitszeiten). Überstunden ohne Ausgleich? Kein Problem…Doch die Dankbarkeit - unabhaengig davon, was fuer ein Tag heute ist - spuert man wenn dann nur hauchzart.

Um so ironischer ist es, dass mein Kollege und Ausbilder - gleichfalls guter Freund - heute in einem Gespraech mit dem Chef seine vorlaeufige Kuendigung erhielt. Sein Zeitvertrag wird - trotz hinreichend unbewaeltigbarem Arbeitsaufkommen - nicht verlaengert. Aussicht auf Abwendung der Kuendigung gibt es nur wenig. Klar, welcher Sysadmin wuerde sich nicht ueber ein wenig geschenkte Freizeit zu seinem persoenlichen Berufs-Feiertag wuenschen? Mir stellt sich allerdings die Frage, ob man direkt so grosszuegig damit umgehen sollte. In anderen Worten: Danke fuer garnichts.

Ein Gruss an alle Systemadministratorinnen und Administratoren, die 25 Stunden 8 Tage die Woche erreichbar sind, fuer die Versorgung der kleinen und grossen Anwender-Pannen sorgen, so ungelegen sie auch kommen, an alle die, deren Tag man mit einer Tasse Kaffe am Morgen retten kann und die wider besseres Wissen die privaten Computersorgen der Anwender anhoeren. Ihr seid toll.

Danke und alles gute bei der Jobsuche,

der Sternensucher

Es WAR einmal RAID5

July 22nd, 2008

Eine Gute-Nacht-Geschichte fuer Nerds
nach einer wahren Begebenheit im Sommer 2008

Es war einmal ein Rechner mit 3 Festplatten und einem Linux. Die Festplatten waren gluecklich und drehten sich voller Freude und tauschten mit dem Kernel Daten aus. Der Kernel sprach: “Ihr, meine Freunde, sollt ein Raid 5 sein.”, und die Festplatten folgten seinem Befehl und schaufelten Daten hin und her, hashten und lasen, bis der Kernel sie fuer synchronisiert hielt.

Und so arbeiteten die Platten im Verbund, lieferten Daten und strahlten Sicherheit und Geborgenheit aus. Eines Tages jedoch schmerzte es eine der Platten gar fuerchterlich. Sie nahm all ihren Mut zusammen und sprach zum Kernel: “hdg: task_out_intr: status=0×58 { DriveReady SeekComplete DataRequest }”. Nachdem der Kernel die Schmerzen der Festpllatte untersucht und sich ein Bild gemacht hatte, sprach er: “Mein Freund, ide3: reset: slave: ECC circuitry error!. Ich werde dich entlasten und deine Freunde mit deinen Aufgaben betrauen.”. Der RAID-Dienst fuegte hinzu: “raid5: Disk failure on hdg1, disabling device. Operation continuing on 2 devices”. So wurde das Raid 5 degraded und die verbleibenden 2 Festplatten schufteten allein.

Nicht viele Stunden vergingen, so sprach auch die zweite Festplatte: “hdh: task_out_intr: status=0×58 { DriveReady SeekComplete DataRequest }”.  Der Kernel - sichtlich beunruhigt - konnte nicht glauben was er da hoerte und bruellte: “Nein! Nein! Nichtdoch ide3: reset: master: ECC circuitry error!”. Das Leid war Gross, denn alle wussten… alleine konnte die letzte Festplatte das Datenvolumen niemals verkraften. Der Kernel klagte sein Leid dem RAID-Dienst, welcher erwiderte: “Weine nicht Kernel… raid5: Disk failure on hdh1, disabling device. Operation continuing on 1 device. Denk an was schoenes und warte ab.”. Der Kernel jedoch war verdriesst und mochte sich nicht so recht erholen. Er schwelgte in Erinnerungen an die Daten, die er einst von den 3 wackeren Platten hatte lesen koennen. Die Gedaechtnisluecken schmerzten so sehr, dass er sein Leid nicht mehr fuer sich behalten konnte. “Buffer I/O error on device dm-0, logical block 733475!”, bruellte er, “lost page write due to I/O error on dm-0…”.

Schlussendlich konnte er die Schmerzen nicht mehr ertragen und verlor die Kontrolle. “Aborting journal on device dm-0.”, schluchzte er… und als ihm klar wurde, was er gerade gesagt hatte, schob er nach: “EXT3-fs error (device dm-0): ext3_journal_start_sb: Detected aborted journal!”. Er hoerte auf nach den Daten zu rufen und verharrte panisch zitternd und unsynchronisiert, bis ein Anruf eines Technikers endlich das Geraet endlich stromlos schalten liess.

Und vielleicht - eines Tages - kommt ein Techniker, tauscht die beiden defekten Platten aus und haucht dem System so neues Leben ein.

Von Drogen…

July 9th, 2008

Guten Abend liebe Freunde,

habt ihr schonmal irgendwo in einem Club gesessen und einen dieser Rhythmen gehoert, wo man zwingend mitklopfen muss - so lange bis das Gegenueber einen entgeistert anschaut und einem die klopfende Hand am liebsten… naja. Ich habe mich immer gefragt “Wo bekommen die diese Musik her”? In dem konkreten Fall kam die Musik aus einem kommerziellen DVB-s Lounge Kanal der fuer mich somit unerreichbar ist. Da ich aber eine entspannte Atmosphaere mit Lounge Musik deutlich leichter erzeugen kann als ohne habe ich mich auf die Suche gemacht und bin - mal wieder nach laengerer Auszeit - auf Jamendo gestossen. Das ist ein Musikportal, dass sich vorwiegend auf die Verbreitung von Kunst spezialisiert hat, die unter einer “Creative Commons“-Lizenz steht - was zumindest in den meisten Faellen bedeutet, dass die Kuenstler nicht in erster Line Finanziell fuer ihre Werke entlohnt werden moechten sondern es eher auf Lob und echten Ruhm absehen :). Jamendo moechte ich euch ohne viele weitere Worte einfach ans Herz legen, da man dort von Punk ueber Metal bis hin zu Minimal und Electronica so ziemlich jede Musikrichtung finden kann, in der Kellerproduktionen exisiteren, ja, oft sogar sind die dort veroeffentlichten Werke recht gut ausproduziert und klingen wie vom Teuer-Label des groessten Misstrauens.

Zurueck zum Punkt: Ich sitze da und hoere diese Lounge Musik und denke mir “Wo bekommst du sowas fuer Zuhause?”, finde Jamendo … ich glaube so weit hatte ich erzaehlt. Auf der Suche nach dem Tag “Lounge” bin ich recht flott in die Tags “ambient” und “chillout” abgerutscht und fand einiges was so gar nicht meinem Geschmack war - zu Elektro und zu wenig Jazzig… also schrieb ich “Jazz” dazu, wenig Hoffnungsvoll, dass jemand sowas unter Creative Commons Lizenz veroeffentlicht. Die Releases unter dem Kuenstlernamen “Revolution Void” stiessen mit mit relativ treffenden Ergebnissen ins Auge - nicht zuletzt wegen des relativ skurrilen Covers des Albums “Increase the Dosage“. Revolution Void ist das Musik-Projekt des Jazz-Pianisten und Produzenten Jonah Dempcy, dessen Existenz bis in das Jahr 1995 zurueckreicht. Jamendo ordnet die in diesem Projekt erscheinende Musik als “electronic breakbeat jazz” ein, was auch immer sie damit meinen. Grosse Worte zumindest ranken sich um dieses Album: Nicht nur spricht selbst die Kurzbeschreibung Gastspiele einiger Prominenzen der Musikwelt (Seamus Blake - Mingus Big Band, Michael Shrieve - Santana, Matthew Garrison - Herbie Hancock) an, auch die Rezensionen der nicht-zahlenden Hoererschaft sprechen eine deutliche Sprache und sind durchweg mehr als positiv.

Nach einem entspannten Durchhoeren stimme ich den Kommentaren ohne Abstriche zu. Das Album ist bewegt, experimentell, trotz allem nicht anstrengend und ausgewogen zwischen Lebhaft, duester-elektronisch und sympathisch-unsauber. Das ganze kommt auch noch professionell produziert und auf den ersten Blick nahezu perfekt gemastert daher. Der breitbandige Einsatz von gespielten und klassisch analog aufgenommenen Instrumenten und die Mischung mit eher hintergruendigen elektro-elementen kommt gut zur geltung und fuer einen Nachmittag bei Regen und Tee koennte dieses Album die fehlende Stimmungswuerze sein - zumindest fuer die gute Stunde, die das Album dauert.

Revolution Void - Increase the Dosage - Cover Art by Shawn Wolfe

Das Album kann beschafft werden ueber die entsprechende Jamendo-Seite oder die Seite des Revolution Void-Projektes. Zur Auswahl stehen als Format ueber Jamendo MP3(192kbit) und OGG sowie ueber die Projektseite MP3(VBR), MP3(64kbit) und FLAC. Reinhoeren lohnt.

Gruss vom Sternensucher.

Die Sonne geht auf.

July 6th, 2008

ohne Text

What if…

June 18th, 2008

Was ist, wenn das Leben ein ueber den anderen Tag das gleiche gegen einen tut? Wenn Klagelieder zum Soundtrack werden, der den Herzschlag dominiert? Wenn jeder Ton moll klingt, so Dur er auch ist und strahlende Sonne wie eine verglimmende Kerze in den Tag scheint? Was ist, wenn morgends die Knochen schwer sind wie Blei, die Augenlieder schwerer - wenn das Aufstehen sich anfuehlt wie ein Sterben, die Dunkelheit der Nacht wie ein Auferstehen? Was sagen einem die Traeume, wenn man jede zweite Nacht sieht, fuehlt und glaubt dass man stirbt? Was, wenn man aufwacht und merkt, dass man aufwacht, wenn das Bewusstsein in der Nacht zurueckbleibt, in festem Glauben, man waere gestorben ohne einen Sinn? Einsam?

Verdammt nochmal.. vor 2 Wochen haett ich das nicht geglaubt. Ich haette jeden fuer bekloppt erklaert, der mir haette erzaehlen wollen, es waere wieder so

weit. Der Fruehling - oder Fruehsommer steht vor der Tuer, die Voegel wecken neinen morgens und der Sternensucher liegt da, unmotiviert und alles ist wie die Jahre davor. Es fuehlt sich an, wie mentales Clipping - es wird alles besser, man freut sich, die Welt ist in Ordnung und urploetzlich geht es den Bach herunter, so als wollte einem irgendetwas mitteilen “Freundchen, mehr Freudendynamik hat dein Leben nicht”. Ich habe den Eindruck, es waere immer so gewesen. Ich habe inzwischen sogar den Eindruck, der aktuelle Zustand ist normal - alles andere nur ein gluecklicher Zufall. Warum… keine Ahnung. Und wenn mich jemand drauf anspricht, sage ich wie selbstverstaendlich “Ne, alles klar,

mir gehts super” … es war immer so. In jeder Verbesserung liegen auch Nachteile - denke ich so. Beziehungen bringen streit, Freunde bringen Verpflichtungen, denen nicht nachzukommen ich fuerchte. Froehlichkeit bringt ein schlechtes Gewissen gegenueber denen, denen es nicht gut geht. Jede Besserung bringt die Belastung ihrer Erhaltung mit. Es ist wie das pendeln zwischen erfrieren und verbrennen. Der Mittelweg ist fuer mich anscheinend nicht zu finden. Keine noch so schlechte Soap bringt die Dinge so uebersteigert auf den Punkt wie das Leben manchmal.

Mein eigenes gerede von dieser Situation geht mir mittlerweile auf die Nerven und der Punkt an dem ich mich selbst jede Minute in der ich mir bewusst bin, dass ich existere moechte ich mich am liebsten selbst verpruegeln. Was soll dieses Pseudo-epische Geseier da oben wieder? Hat das irgendeinen Anspruch? Wer bitte liest das und denkt nicht “Aha, der wieder. Jetzt kommt bestimmt nochmal so ne allgemeingueltige Rede, als sei der Thementag der Selbsthilfegruppe Weltenschmerz” … Kackfass. Und nun?!

Dann sitzt man da, wuerzt das ganze mit Musik (haha! Musik… noch sowas…) und erhaelt ein metertiefes Loch. Schade ist, wenn man dann das Gefuehl hat, man ist allein… noch bloeder, wenn man feststellt, man ist alles andere als das, man traut sich nur nicht mal den Mund auf zu machen bei all dem Stress den die anderen haben und zieht sich zurueck in das Blog… eine feige und hinterlistige Weise, die lieben Menschen um einen herum auf die eigene Misere aufmerksam zu machen, die vielleicht gar keine ist, so klein und unbedeutend im Vergleich zu den echten Problemen - den existentiellen. Da macht man dann die Headline dunkel und vergraebt sich in der kleinen Hoehle, in der kurzen Erloesung nach dem Druck auf den “Publish” Knopf, dem Moment des virtuell-digitalen Aufschrei in die ebenso geartete Welt. Fuer was? Fuer nichts…. Kann mich mal jemand druecken, vielleicht bitte? Ich hab gerade ne bloede Krise. :/

Der Sternensucher.

Sterne suchen - Hands on.

May 25th, 2008

Hallo Erdenbuerger!

[Because of popular demand, this article has been translated. Text in brackets is the translation of the above german text.]

Zu Beginn einen Dank an Richard, der diese Erfahrung moeglich gemacht hat, Danke!
[Before we start, I - again - want to thank Richard for making this possible! Thanks!]

Freitag Abend ergab es sich, dass ein Freund aus meiner Heimat-LUG Eimann (meinen Vermieter) und mich mit zum Segelflugplatz nehmen wollte, relativ spontan. Ich freute mich, sagte zu und fand mich eine Muetze Schlaf weiter mit den Beiden auf dem Segelflugplatz Wissel (Niederrhein) wieder. Irgendwie war mir bis zu dem Zeitpunkt wo Richard dann meinte “Die beiden wollen mal mitfliegen” nicht klar, dass auch ich dann mal auf besondere Weise in die Luft gehen sollte.
[Friday evening, spontaniously, a friend of mine (Richard) decided to take another friend and me to the gliderport. I was very excited, agreed and found myself in the airfield in Wissel (Netherrhine) - some bits of sleep further. Until Richard said something like "These two people also will take a flight", I was not fully aware of going up, high into the sky, several minutes later.]

Am Flugplatz waren nich sonderlich viele Leute Anwesend, so dass sich das Haeufchen Aufrechter die Arbeit in wechselnden Positionen aufteilen musste. Der Flugplatz besitzt eine Winde, ein Schleppfahrzeug um die Seile von der Winde bis hin zum Startplatz zu ziehen, einen kleinen Trecker, mit dem die Flugzeuge wieder zum Start gezogen werden und natuerlich eine Luftaufsichtstelle zur Kommunikation mit den Piloten und dem Fahrer der Winde per Windentelefon.
[There were not many people on the airfield, just enough to activate one glider with the help of us two unexperienced people - cycling tasks with every launch. The gliderport has a mobile winch, a car to pick up the ropes at the winch and get them to the start point, a small vehicle to pull the gliders back to the start after landing and a small control station to communicate with the winch driver using a telephone and the pilots using radio.]

VW-Käfer zum heranziehen der Seile von der Winde
[legacy VW-Beetle, modified to carry 2 ropes from the winch to the start]

Winden-Wagen
[Old truck with mounted winch]

Ich habe Eimann und Richard fuer den ersten Flug den Vortritt gelassen um mir das Ganze erst einmal von unten anzusehen. Zugegeben, so ganz habe ich dem Braten anfangs nicht getraut. Die wenigen anwesenden Leute erforderten zuvor eh unsere Mithilfe beim zusammenbauen des Fliegers, so dass ich mir die Details auch nocheinmal in Ruhe anschauen konnte.
[I let Eimann (the other friend) and Richard have the first ride to get comfortable with the thought of flying from down below. I have to admit, that I was a bit anxious about it and had to make up my mind, but the fact that only the few of us were there required us helping to activate the glider anyway. I thereby saw all the mandantory joints and got faith in this fragile seeming beauty...]

“Anders als andere Konventionelle Vereine fahren wir unsere Flieger NICHT aufgeruestet in den Hangar… das hat 2 einfache Gruende: Erstens ist die Halle zu klein, zweitens kommen wir mit den breiten Fluegeln hier nicht durch das Gatter vorne am Acker!”
["Different from most other clubs, we do not pull our gliders back into the hangar activated. Thats for 2 very simple reasons: First: the hangar is way to small... second: the gate at the acre is, too."]

So meint einer der Piloten beim Aufbauen noch und - mein Glueck - er hatte Recht, nacher war ich relativ ueberzeugt von der Stabilitaet des Fliegers. Richards Beteuerungen ueber die mehrhundertfache ausmultiplizierte Sicherheit in den Materialgenehmigungsverfahren gaben mir dann den Rest und ich gab der Neugier nach. Ist aber doch auch ein Schickes Flugzeug oder?
[Thats what one of the older pilots eyplained to me and - lucky me - he was right. After activating the glider by attaching the wings and the empennage I was very certain, that everything was safe. It coun't be any other way with this beautiful plane, could it?]

Segler (ASK 21) von vorn, von einem Piloten bewundert werdend…
[Glider (ASK 21) frontside, being admired by one of the pilots]

Erst flog Richard mit Eimann. Ich sass in der Zeit auf dem Boden, sonnte mich (schlechte Idee, Kellerkind + Sonne = Rothaut) und aergerte mich darueber, dass ich das Amateurfunkgeraet nicht dabei hatte. Derweil inspizierte ich das Funkgeraet bei der Luftaufsicht und unterhielt mich mit einem der jungen Nachwuchspiloten. Waehrend dessen machte es sich Team A im Segler bequem.
[As said, Eimann and Richard were to fly first. I sat at the control station, sunbathing (bad idea... nerds and sunshine just don't fit that well) and blamed myself for leaving the hamradio equip at home. I used the time to have a look at the radio, used to call the pilots and gossiped with one of the younger pilots whereas Eimann and Richard boarded the glider and took off.]

Die beiden blieben etwa eine halbe Stunde in der Luft, brausten einmal quer ueber den Platz und setzten dann zu einer ausserordendlich sanften Landung an.
[The were away for about half an hour, hardily crossed the airfield and landed.]

Segler-Landung mit ausgefahrenen Landeklappen
[Glider with activated airbrakes]

Unser erster Versuch war etwas kurz, nach nur 8 Minuten landeten wir, da keine Thermik zu finden war. Die GPS-Daten verraten eine maximalhoehe von etwa 370 Metern… und das direkt nach dem Start an der Winde. Kein Glueck, aber das war nicht so schlimm. Alleine das Gefuehl beim Start, das Ausklinken und dann das freie Gleiten in der Luft… die 8 Minuten waren in meinem Kopf etwas laenger.
[Our first try was a bit shord. After only 8 minutes, we had to come down again because we could not find any suitable thermal lift. Die GPS data suggests a peak of about 370m... that was right after the winch detached. Bad luck, but it was not that bad. The feeling while being pulled up by the winch and then left without any atachment to the ground was amazing enough to go through all the trouble. The 8 minutes felt like a lot more in my head :).]

Das oben stehende Bild stellt eine perskektivische Projektion des ersten Flugversuches dar. Der Flug begann ungefaehr am suedlichen Ende der Nort-Sued-Achse und dreht sich dann - der steilen Aufstiegskurve nach - links herum. Die blaue Linie zeigt die in den Raum projezierte Flugbahn, die schwarze Linie die als Draufsicht projezierte Bahn des Flugzeuges auf die Bodenebene. Man sieht deutlich Richards ambitionierte Versuche, ein bisschen Aufwind aufzuspueren - leider ohne Erfolg.
[The picture above shows a perspective projection of the first flight. We startet right at the "S" of the north-south axis and torned left. The blue line is the actual flight path, drawn into space, the black a topciew projection]

Danach machten wir den Flieger fuer ein paar andere Piloten einige Male startklar, unter anderem stattete ich auch der Winde einen Besuch ab. Man kann auf dem Bild das Zugseil erahnen, dass die Segler - gezogen von ein paar hundert PS in einem V8-Motor - innerhalb weniger Sekunden auf luftige 300m zieht.
[After our landing, we prepared the glider for some of the other pilots to have a try. Richard and me also pulled some of them from the winch. If you take a close look, you might see a hint of the rope that goes up to the glider, which lifts - coiled up by a V8-engine with a lot of horse powers - the small plane up to a height of about 300m before detaching.]

Signalisiert der Helfer am Fluegel der Maschine nach vorsichtigem anrollen der Winde der Luftaufsicht Seilstraffung, gibt diese ueber das Windentelefon dem Windenfahrer das endgueltige Startsignal. Keine 5 Sekunden spaeter hat der Segler auch schon den Boden verlassen und befindet sich in einem Steilaufstieg. Etwa bei Erreichen eines Scheitelpunktes klingt der Segler aus und der Haken des Zugseiles segelt an einem Fallschirm - immernoch gezogen von der Winde - langsam zu Boden.
[After the winch driver slowly pulls the rope to a particular tension, a helping person at one of the outer edge of one wing gives an OK signal to the control station, who calls the winch driver. A few seconds after the driver accelerates the engine, the glider leaves the ground and travels up into the sky really really fast. At some point, the glider detaches the rope joint, which slowly returns to the ground, held by a parachute.]

Die folgenden Flieger hatten dann auch mehr Glueck, einer erlebte nach einer Pechstraene mit dem Wetter mal wieder etwas guten Wind, kehrte aber freiwillig nach etwa 50 Minuten wieder zurueck. Er erlaubte Richard und mir eine zweite Chance:
[The pilots who went up after our quick return were a lot more lucky. One of them had his first longer flight after having really bad luck with the thermal lift many times. Luckily he returned on his own after about 50min and gave his ok for us to have a second try.]

Der 2. Flug war deutlich laenger. Hier noch einmal die Projektion von eben mit den neuen Flugdaten. Diesmal andersherum. Die Daten starten bei der 355 links des “E”-Endes der Ost-West-Achse und dreht sich dann rechts herum. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen.
[Here you see the second try, which was a lot longer. The projection type and perspective is the same as earlier, but in this one, our flight starts on the small 355 (at the "E") and goes clockwise. Look at the pictures, words a very unnecessary.]

Rechtsneigung 1000m ueber den Niederrheinischen Wissel
[Rolling to the right, 1000m above Wissel]

Sicht 1300m Rhein-aufwaerts Richtung Xanten
[Beatiful view onto the river Rhine upstream at 1300m]

Gipfel des Fluges bei 1709m laut GPS
[peak of our flight at 1709m according to the GPS]

Blick in den freien Himmel ueber die linke Tragflaeche
[View into heaven's freedom over the left wing]

Ein wunderbarer Ausblick ueber ein charakteristisch-plattes Land und in windige Höhe, bei dem mir dann nach 30 Minuten doch etwas mulmig wurde. Eigentlich bin ich etwas unempfindlich gegenueber Rumpeleien und Kurven, vielleicht ist mir aber auch nur vor Freude etwas uebel geworden :). Naja, ist nix passiert. Richard hat netterweise ein paar Kurven weggelassen und uns dann 8 Minuten spaeter runtergebracht… nach einem zuegigen Sinkflug mit knapp 280km/h.
[An amazing view over the characteristical plains of the netherrhine area or up into the sky, depending on which side of the glider you choose to look out. After about 30min I got a bit uncomfortable around the stamach. I am commonly very unsensible when it comes to rough movements... perhaps it was the beauty of the view that made my get sick of happiness ;). Well, nothing happened, all went fine because Richard kindly chose to leave out some artistic impressions. 8 Minutes later we went down for landing in a 280kph nosedive.]

Landeanflug - Abbremsen auf etwa 150m Resthoehe
[approach for landing, airbrakes at about 150m of left altitude]

Nach dem Ausstieg und einem “Das war doch Harmlos!” von Richard gings mir dann auch gleich wieder besser.
[After getting out of the glider with one foot and a "That was nothing at all!"-yelling Richard, I was pretty fine again.]

Ein gut gelandeter Sternensucher… etwas bleich
[A pallid looking but fine starseeker]

Ich hoffe, sowas kann man bei Zeiten mal wiederholen :). Es war zumindest etwas neues und ziemlich abgefahren… geflogen… oder so aehnlich.

Fuer die Halbnormalen und Nerds gibts hier noch eine Karte der Hoehe ueber das Gebiet und ein Diagramm der Hoehe ueber die Distanz beider Fluege:
[I really hope to be doing this again some time :). It was something really new and just amazing. For the nerds, I also have a Map drawing and a graph (height over distance) of both flights.]

Bis die Tage,
[Godspeed! Your...]

Sternensucher

P.S: noch mehr Bilder! / even more pictures!

Das Leben in vollen Zügen…

May 5th, 2008

Ein Experiment…

Wie tolerant ist unser Bahnvolk eigentlich heute? Diese frage stelle ich mir jeden Morgen. Seit einiger Zeit bin ich auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr angewiesen und fahre im Ruhrgebiet von Ost nach West und wieder zurück. Diese Strecke ist vermutlich durch Berufspendler und den dicht besiedelten Raum eine der meistgenutzten Strecken Deutschlands. Die Deutsche Bahn transportiert täglich tausende Menschen zu ihrer Arbeit und wieder nach Hause… und wie benehmen sich diese Menschen in den Zügen eigentlich gegenüber einander?
Es leuchtet ein, dass viele verschiedene Menschen sich entscheiden Bahn zu fahren. Der Konzern “Deutsche Bahn AG” sieht in seinen Zügen eine 2-Klassen-Trennung vor, eine für Leute die mehr zahlen und eine für Leute die weniger zahlen. In einigen Zügen ist das tatsächlich die einzige Trennung, die Ausstattung ist öfter denn gewünscht die gleiche.
Abseits der Differenzierung zwischen viel Geld und weniger Geld kann ein Ticket fuer die erste Klasse einem morgends das Leben retten. Sardinen-Feeling ist bei der Bahn keine Seltenheit und oft hört man den lautstarken Wunsch nach mehr Wagons. Die Bereiche der ersten Klasse sind oftmals zumindest bestehbar und deutlich öfter als in den gefragten Reihen in der zweiten Klasse findet man hier noch einen Sitzplatz. Aus diesem Grund investiere ich jeden Monat etwa 35 Euro in einen Zuschlag fuer die Nutzung der ersten Klasse mit meiner Monatskarte.
“Eigentlich schade”, dachte ich oft genug, denn in der zweiten Klasse finden sich meite die sympatischeren Menschen. Ich fühle mich meist deutlich wohler - zumindest von meinem sozialen Empfinden - wenn ich nicht von Zeitung lesenden Schlipsen umgeben bin. Ich gebe zu, das wird auf Gegenseitigkeit beruhen, ich gliedere mich optisch denkbar schlecht in die erste Klasse ein: Eine ausgetragene schlabbrige graugruene Jacke, wüstes Haar, unrasiert, meist eine alte Jeans und die Brille schräg auf der Nase.
Dieser Umstand liess mich einige Beobachtungen machen, die ich euch hier ein bisschen näher bringen möchte. Aus persönlicher Sicht sind das mit Sicherheit keine besonders erfreulichen Geschichten, im Rückblich werfen sie allerdings ein düsteres und mahnendes Licht auf unsere Gesellschaft, insbesondere auf die, denen das Geld aus den Taschen hängt, oder diejenigen, die dies zumindest glauben.

Der Morgen verläuft meist so: Ich begebe mich mittels Stadtbahn zum Bahnhof, hetze mich etwas ab um einen Zug zu erwischen und bewege mich an den Wagons entlang, bis ich einen der Wagen mit gelbem Streifen finde. Diese Wagen beherbergen einige Sitze der ersten Klasse. Ich setze mich, wenn ich so weit komme, klappe mein Notebook auf und erledige ein bisschen Kleinkram (wie diesen Text) oder unterhalte mich mit Bekannten. Oft passiert einen bis 2 Bahnhoefe nichts, dann beginnen meist, ob des enger werdenen Platzes skeptische Blicke und Seufzer in meine Richtung - meist von Leuten die keinen Sitzplatz erhalten haben oder mir gegenüber sitzen (ich vermeide, wenn möglich, dass das überhaupt vorkommt, ich ertrage den Anblick einfach nicht). Nicht selten werde ich allerdings schon auf der Treppe angesprochen oder Menschen versuchen sich mit einem grimmigen “erste Klasse” auf der Treppe an mir vorbei zu drängen. Wenn möglich versperre ich mit einem “Ah, danke, da wollte ich auch hin.” den Weg und gehe meines selbigen.
Weniger Angenehm sind Menschen, die versuchen meinen Sitzplatz zu übernehmen. Meist stellen sie sich sehr aufdringlich neben einen - besonders Herren mit Kroko-Leder-(Imitat-)Aktentaschen - und beginnen sich den Mantel auszuziehen mit den Worten “stehen Sie bitte auf, das ist hier erste Klasse.”. Selten reagiere ich darauf. Ohne Kaffee kann ich mir manchmal ein Nachfragen nach einem Schwerbehindertenausweis nicht verkneifen, meist gefolgt von heftigen Ausbrüchen des Gegenüber, man habe schliesslich fuer den Platz bezahlt. “Ich auch.” sage ich meist, und widme mich wieder meinem Bildschirm. Andere sind etwas subtiler und versuchen es mit einem “Jaja, die koennten hier mal groessere Schilder in die erste Klasse haengen” zu sich selbst und gerade eben so laut dass ich es hoeren kann. Ein Mann in meiner Nähe antwortete mal auf so einen Kommentar mit den Worten “Eigentlich kann man die gut lesen, vielleicht brauchen Sie eine Brille?” - Humor ist so selten.
Man fragt sich was sich diese Leute denken. “Lass es einfach meine Sorge sein”, denke ich bei mir und fühle mich bevormundet und beleidigt. Nicht, dass ich mich eingliedern möchte, dass ich in der Menge dieser ganzen gestylten gehobenenn Angestellten untergehen möchte, ich lasse mich nur ungerne voreingenommen beurteilen. Ganz nebenbei, es geht um eine Fahrkarte und nicht um einen Wohltaetigkeitsball mit Kleiderordnung.
Handgreiflichkeiten gehören zum Glück zu den seltensten Gegebenheiten. Ein oder Zwei mal ist es mir jedoch passiert, dass man mich harsch am Arm von meinem Sitz ziehen wollte. Die Dame, die sich das ohne Vorwarnung und in voller Überzeugung der Menschheit einen grossen Gefallen zu tun traute, fand sich wenige Augenblicke später auf dem Bahnhof Wattenscheid wieder, wild protestierend, sie wolle doch nach Düsseldorf und sie wuerde nie mehr Bahn fahren wenn man sie jetzt vor die Tür setzte. Der gleiche Bahnangestellte, der sie an diesem Tag vor die Tür setzte - nicht ohne ein wohlwollendes Lächeln in meine Richtung - kontrollierte am naechsten Tag (noch immer oder) wieder wohlwollend lächelnd ihre Fahrkarte.
Häufiger als das passiert es, dass sich Leute um des Recht haben wollens vor dem gesamten Zug und auch dem eben schon löblich erwähnten Bahnpersonal auf unmenschliche Art blamieren. Oft genug machte der ein oder andere schon ein Gesicht als wolle er auf der Stelle im Boden versinken, auch auf die Gefahr hin, dann - bauartbedingt - in der zweiten Klasse zu landen. Ein Beispiel war eine Dame, die - nur etwa 10 Jahre älter als ich - meinte, von ihrem - wie sie es nannte - Altersvorrecht gebrauch machen zu wollen. Nach 5-minütiger Diskussion über die Beförderungsbedingungen der Bahn (in denen von “alten und gebrechlichen Menschen” oder “Menschen mit körperlicher Behinderung” die Rede ist, nicht aber von “Menschen die älter sind als diejenigen die da schon sitzen”) und darauf folgenden 15 Minuten purem Ignorieren ihrer Person meinerseits war sie fest entschlossen, ihr sicher vermutetes Recht mit Hilfe des Bahn-Personals durchzusetzen. Das Personal - sichtlich amüsiert - verwies sie dann darauf, sich in etwa 50 Jahren nochmal in diesem Anliegen zu melden, woraufhin die Dame schwer erbost den Wagen verlassen wollte, aber nicht konnte. Es war zu voll. Selten habe ich in so tiefer Genugtuung gelächelt wie in diesen Momenten.

Ich finde es beängstigend, wie stark Elite für diejenigen Menschen, die sich so benehmen mit Geld verbunden ist, ja wie die Oberflaechlichkeit wie jahrelang nicht gereinigte Fliesen einer öffentlichen Toilette aus ihrem Gehabe meilenweit gegen den Wind stinket. Fragt man sich, warum man dieses Ticket ueberhaupt gekauft hat. “Reisen sie bequemer und in Ruhe…”, wirbt die Deutsche Bahn, während ich mir Züge suche, die nicht in Düsseldorf enden um den Snobs zu entgehen. Danke, ruhiger und bequemer ist es mit Sicherheit in der zweiten Klasse. Mein Ticket erster Klasse? Ich sehe es als Investition in ein allmorgentliches Unterhaltungsprogramm. Vielleicht trifft man sich ja mal.

Es geht bergab…

April 26th, 2008

Eine kleine Kurzgeschichte…

“Es geht bargab”, sagte Markus mit einem bedaechtigen blick auf das die Glasschale vor ihm auf dem Tisch, in der ein Himbeer-Eis mit Sahne vor sich hinschmolz. Darun herumstochernd seufzte er tief und stuetzte den Kopf auf dem linken Arm auf. Birte und Michael sahen sich fassungslos an. “Was ist los, Markus? Du bist doch sonst immer so lebhaft.”, durchbrach Birte Markus’ Monolog. “Genau! Dein Eis ueberlebt sonst nichtmal eine Minute…”, frotzelte Michael dazwischen. “Ach wisst ihr, was soll der ganze Mist eigentlich? Morgends steh ich auf, gehe arbeiten, komme Abends nach Hause. Der einzige der mich gruesst ist der Kaktus im Flur… und das auch nur, weil er so verdorrt ist, dass der Luftzug ihn zum Wackeln bringt…”. “MEIN Kaktus?”. Birte war sichtlich schockiert, “Den habe ich dir letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt!”. Markus seufzte nocheinmal. “Sag mal, was erhoffst du dir in dem Eis zu finden? Du sollst das ESSEN, nicht darin herumbohren.”, meinte Michael mit einem ueberzeichnenden Tonfall. “Was solls denn? Ihr sitzt hier mit mir und ich frage mich ‘Warum eigentlich?’ und das tue ich mit allem was ich tue. Warum tue ich ueberhaupt irgendwas?”. “Man KANN nicht nichts tun.”, Birte war ueberzeugt, diese Feststellung muesse Markus aufmuttern - welcher sich hingegen nur zu einem erneuten Seufzer aufraffen liess. “Die Phantasie ist viel interessanter”, sagte Markus, inzwischen tief in Gedanken versunken, “wenn man sich mal so ueberlegt, was man sich alles vorstellen kann. Man braucht nichts tun ausser sich hinzusetzen und zu traeumen, ploetzlich ist alles moeglich”. “Na und dann?”. Michael schien Markus’ Meinung nicht zu teilen, “Was bringt dir das dann?”. “Ich sitze da und brauche nichts tun. In meinen Gedanken ist alles moeglich, weisst du? Wenn man diese kleine Wahrnehmungsgrenze ueberwinden koennte, die Phantasie in einem real wuerde, dann…”. “Du hast doch ne Macke!”, unterbrauch Michael, “Was soll das bringen? Davon wird die Welt auch nicht besser…”. “Deine vielleicht nicht, meine…” - “Sag ich doch!”, fiel Michael Markus erneut ins Wort. “Lass ihn doch mal ausreden mensch, unser Freund steckt in einer Krise…”. Birtes Ironie war kaum zu ueberhoeren. “Ihr haltet mich fuer wahnsinnig oder? Wenn der Traum so real wird wie die Realitaet…” - “Du hast es erfasst”. Wie aus einem Munde stimmten die beiden Markus zu, der noch immer in seinem inzwischen verfluessigten Himbeereis herumfuhrwerkte, den Kopf haltend als drohe er im naechsten Moment abzufallen. “Ihr seid doof. Was ich meinte ist: Wo ist denn der Unterschied? Wenn es in meinem Kopf wahr ist und ich akzeptiere dass es dass es wahr ist, was ist so falsch daran?” “Nichts… eigentlich. Aber was haben wir davon? Oder anders gefragt: was hast du davon?”, Michael schien noch immer nicht zu begreifen. “Ich sage doch, wo ist der Unterschied? Wenn es mir reicht?”, schom Markus nach. “Och Markus… du weisst doch, dass wir fuer dich da sind.” -  Birtes letzter Versuch Markus zu troesten. “Ihr begreift es einfach nicht… ihr begreift es einfach nicht.”. Markus stand kopfschuettelnd auf, trug seine Himbeersuppe zum Tresen, zahlte und verliess das Lokal, Birteund Michael zuruecklassend, die sich Schulterzuckend Blicke zuwarfen. Dann oeffnete er die Augen, stand auf und verliess den Zug - den Geruch von Himbeeren noch immer in der Nase.

… Danke, euer Sternensucher.

Ich habs gewusst…

April 24th, 2008

In wenigen Punkten scheidet sich die Menschheit so sehr in 2 Gruppen wie an dem, wo es um Tee oder Kaffee als bevorzugtes Heissgetraenk geht - mal abgesehen von dem haeufchen Aufrechter, dass immer wieder behauptet, emacs sei tatsaechlich ein Texteditor…

Wir Kaffeetrinker haben in der Regel ein relativ klares Suchtbild: Ohne den ersten Kaffee morgends geht mal gar nichts. Nicht umsonst machen eine Menge Menschen mit dem Verkauf dieses schwarzen Luxusgetraenkes eine Menge Geld. Wir werden jedoch von allen Seiten immer wieder scharf gewarnt: Saetze wie “Trink nicht so viel Kaffee, da geht Fluessigkeit von verloren…”, “Wenn du so weitermachst, hast du in 2 Jahren nen kuenstlichen Magen” oder “der ganze Kaffee macht einen doch nur zu einem nervoesen Hysteriker” hoeren wir taeglich und haben - aehnlich wie die Raucher, gelernt damit zu leben. Immerhin muessen wir noch nicht in einen abgetrennten Raum verschwinden um unserer Sucht nachzugeben.

Wie wenig allerdings gerade die letzte Warnung in der Realitaet begruendet steht, versuchte vor einigen Tagen eine Tasse Kaffee mir zu vermitteln. Sie versuchte mit ihrer zartschmelzenden Schaumkrone, das asiatische alte “Yin-Yang”-Symbol nachzubilden. Seine Bedeutung ist der Ausgleich zwischen Gut und Boese und die Weisheit, dass der Übergang zwischen Gut und Boese (Licht und Schatten) meist fliessend ist. (Vergessen hat der Kaffee die Punkte in diesem Symbol, dass wir woh alle kennen)

Vielleicht drehe ich nach diesem Zeichen allerdings doch mal den Staerkeregler an der Kaffeemaschine in den Bereich unterhalb des Totenkopfes….